Die Firmen Infospeed und Interrogare haben in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Köln untersucht, welche Auswirkungen Schreiben und
Abmahnungen von Unternehmen haben, die sich rechtlich gegen die Beiträge in Blogs bzw. Foren wehren wollen. Auch alle sonstigen Einflussmöglichkeiten der Firmen wurden dabei unter die Lupe genommen. |
Dass in unserer Gesellschaft das Internet immer wichtiger wird und User Generated Content immer mehr die Kaufentscheidungen von Konsumenten
beeinflussen, steht zweifelsfrei fest. Klar ist auch, viele News werden zunächst auf den Blogs von Fachfrauen und Fachmännern veröffentlicht und landen oft erst Tage später in den Medien. Was aber passiert, wenn der Blogger oder
das Mitglied eines Forums etwas schreibt, was der betreffenden Unternehmensleitung nicht gefällt?
353 Foren- und Blogbetreiber haben sich an der Online-Umfrage beteiligt. Am Ende sind deutlich mehr Antworten als Anfragen
eingegangen, die Ankündigung der Umfrage wurde sehr gut im Netz gestreut. Rund ein Viertel aller Befragten wurde bereits von Unternehmen oder deren beauftragten Rechtsanwälten kontaktiert, um die negativen Aussagen "aus der
Welt zu schaffen". Ob sie angeschrieben wurden, hing sicher im Einzelfall auch davon ab, wie groß und mächtig die jeweilige Webseite ist. Bei sehr kleinen Blogs oder Foren fallen negative Beiträge weniger ins Gewicht, wenn sie
von den Mitarbeitern der Firmen überhaupt gefunden werden. Bei 50% der Betroffenen landete die Angelegenheit sogar bei einem Rechtsanwalt, in 70% aller Fälle wurde die Beschwerde öffentlich im eigenen Blog bzw. Forum diskutiert.
Die Firmenleitung musste also befürchten, dass sich ihr Vorgehen rufschädigend auswirkt. 1,1% gab an, schon sehr häufig eine Abmahnung erhalten zu haben, immerhin über 16% häufig und 14% nur ab und zu.
Bezüglich der
Löschaufforderungen scheinen die Firmen sehr viel Erfolg zu haben. 9,8% haben immer die betreffenden Beiträge entfernt, 36,6% fast immer, 34,1% gelegentlich, 14,6% selten und nur 4,9% der Betreiber haben sich in Bezug auf die
Löschaufforderung komplett verweigert. Auch wenn diese Zahlen letztlich nicht repräsentativ sind, die letzte Frage wurde nur von 93 Betreibern ausgefüllt, so kann man doch einen gewissen Trend erkennen.
Aber auch die
restlichen Punkte der Studie waren durchaus interessant und aufschlussreich. Spannend auch die Aussage, dass ein Großteil der Personen damit einverstanden war, dass sich Mitarbeiter von Firmen in die Diskussionen auf ihrer eigenen
Webseite einmischen dürfen. Nur 9% wollten solchen Einflussmöglichkeiten einen Riegel vorschieben und lehnen dies komplett ab. Ebenfalls ein Gros der Web 2.0-Aktivisten ist überraschenderweise gegenüber Pressemitteilungen oder
Einladungen zu Presseveranstaltungen offen eingestellt. Lediglich etwas über 14% wollte mit solchen Informationen nicht versorgt werden. Auch wenn die meisten Macher nachweislich ihr Projekt für sich selbst oder ihr Zielpublikum
durchführen, die Einflussmöglichkeiten der Unternehmen sind so zahlreich wie vielversprechend.
Die Studie räumt ebenfalls mit einer Mär auf, an die viele Blogger noch immer glauben oder glauben möchten. Durch den Betrieb
eines erfolgreichen Weblogs seinen eigenen Job an den Nagel hängen zu können, hat hier in Deutschland nur in wenigen Einzelfällen geklappt. Die meisten Blogs werden noch immer ohne Gewinn oder nebenberuflich als mehr oder weniger
kleines Zubrot betrieben.
Die Studie behandelt aber noch deutlich mehr Punkte, sie kann von hier heruntergeladen werden. |