Deutschland ist online
Der Landesvorsitzende der NRW-Piraten erlebte einen Shitstorm, Norbert Röttgen löste einen Shitstorm aus, deutsche Unternehmen haben Angst vor einem Shitstorm. In den letzten Wochen und Monaten etablierte sich die wenig appetitliche Vokabel, indem allerhand Journalisten formulierten, was eigentlich ganz banal ist. Ein Shitstorm bezeichnet eine Welle negativer Beiträge im Internet – meist sind damit die Kanäle des Social Web gemeint. Was früher also die Empörungswelle war, die man (vor allem bei Enthüllungen bisher unbekannter Informationen) in der sogenannten “öffentlichen Meinung” spüren konnte, ist heute der Shitstorm. Während jene Welle jedoch nicht nur abebbte, wenn genug Gras über eine Sache gewachsen war, sondern auch von wenigen Protagonisten angestoßen wurde, so ist ein digitaler Shitstorm ungleich gefährlicher. Durch die Möglichkeiten des Social Web kann jeder Nutzer Teil eines Shitstorm werden, indem er sich negativ zum jeweiligen Thema äußert. Damit stachelt er möglicherweise weitere Nutzer in seinem Bekanntenkreis an – der Shitstorm zieht weitere Kreise als es eine Empörungswelle im analogen Zeitalter jemals gekonnt hätte. Zudem verhält es sich mit dem Shitstorm wie mit der sprichwörtlichen “Scheiße am Schuh”: Man wird ihn so schnell nicht mehr los. Selbst wenn den erhitzten Gemütern nach einigen Wochen keine neuen Erkenntnisse mehr präsentiert werden können, bleiben die Diskussionen und Anfeindungen im Netz - für geübte Researcher jederzeit abrufbar.

Ist also von einem Shitstorm die Rede, ist vor allem eine neue Qualität der negativen Meinungsäußerungen, die mit der Entwicklung des Social Web einhergeht.

Deutschland ist online
“Kunden, die diesen Artikel gekauft haben, kauften auch” ist mittlerweile eine bekannte Funktion des Onlinehändlers Amazon. Über den Vergleich der Profile der Amazon-Kunden werden Nutzer ermittelt, die den eigenen Geschmack zu teilen scheinen. Dies ist ein funktionierendes Beispiel für Social Shopping.

Im Social Web geht es unter anderem um die Charakterisierung der eigenen Person. Via Twitter veröffentlichen Nutzer, was sie gerade tun, mithilfe von Diensten wie Foursquare geben sie an, wo sie gerade stecken. Außerdem werden sie Facebook-Fan von Dingen, die sie mögen. Zukünftig werden sich die Akteure des Social Web auch darüber definieren, was sie konsumieren. Von Social Shopping ist die Rede, wenn Nutzer sehen können, wo ihre Freunde einkaufen, welche Produkte sie interessant finden und welche sie letztlich erwerben. Für die Nutzer hat das viele Vorteile: Freunde haben meist zumindest ähnliche Interessen. Finden Freunde ein Produkt spannend, ist es möglicherweise auch für den Nutzer attraktiv. Zudem helfen die Anregungen bei der Suche nach Geschenken.

Im Web wird Social Shopping zunehmend an Einfluss gewinnen. So ist es beispielsweise denkbar, dass Facebook in Zukunft Informationen von Online Shops integriert. So könnten Nutzer den Einkauf ihrer Kontakte verfolgen und kommentieren.