„Ich muss meine vorige Rezension korrigieren: Das Wetab ist nicht gut, sondern sehr, sehr gut", schrieb ein gewisser „Peter Glaser"
unter Kundenrezensionen im Online-Shop von Versender Amazon. Nach mehr als einer Woche kam heraus, dass es sich beim Verfasser der Lobeshymne auf den Tablet-Computer und iPad-Konkurrenten um einen der beiden Geschäftsführer der
Herstellerfirma handelte: Der Blogger Richard Gutjahr hatte sich den Zugang (sogenannter Account) von „Peter Glaser" mal genauer angeschaut und bemerkte, dass dieser eigentlich Helmut Hoffer von Ankershoffen heißt und
Geschäftsführer der Wetab-Vertriebsfirma ist.
Amazon handelte auf „Zuruf" von Gutjahr sofort und entfernte die Eigenlob-Kommentare. „Bei
Manipulationsversuchen handelt es sich – in Relation zu der Gesamtheit der Rezensionen – um einen sehr selten auftretenden Vorgang", behauptet Amazon. „Der Großteil der bisher mehrere Millionen Kundenrezensionen zeigt, dass diese
Plattform so genutzt werde, wie sie gedacht ist – als Hilfestellung für die Kaufentscheidung anderer Kunden." In der Branche wird diese Einschätzung bestätigt: „Unserer Erfahrung nach sind gefälschte Beiträge eher selten", sagt Jan
Krömer von der Firma Infospeed in Köln, die sich mit dem „Social Media Monitoring" beschäftigt, für Kunden also deren Image im Netz ermittelt. Auch groß angelegte Verleumdungskampagnen von Wettbewerbern hat Krömer noch nicht erlebt.
Lügner ohne Chance? Die Vorkehrungen gegen Missbrauch sind allerdings
kaum verlässlich. Bei einer Untersuchung von Hotel-Bewertungsplattformen durch die Stiftung Warentest ließen sich die meisten von diesen täuschen und veröffentlichten zumindest einen Teil der fingierten Bewertungen. Zwei Faktoren
sind es, die den Missbrauch begrenzen: Zum einen haben laut Krömer schon vor der Wetab-Affäre einige abschreckende Beispiele gezeigt, dass die enorme negative Wirkung größer ist als der erhoffte Nutzen von Eigenlob-Kommentaren.
Zum anderen „bringt ein einzelner Beitrag auf Amazon kaum etwas", wie Infospeed beim Monitoring von manchmal mehreren tausend Nutzerbeiträgen feststellt: „Je mehr Beiträge es insgesamt gibt, umso sicherer kann man sein, dass
das Meinungsbild auch echt ist." Zudem gibt es Unterschiede in der Qualität von Nutzerkommentaren. „Ein 140-Zeichen-Tweet von einem unbekannten Nutzer hat nicht so viel Gewicht wie der Testbericht eines mir bekannten Nutzers in
einem Forum", erklärt Krömer. Twitter und Facebook dienen ihm zufolge eher dazu, auf ein neues Produkt aufmerksam zu machen. Vor einer Kaufentscheidung und bei der gezielten Suche nach Informationen finden dagegen Bewertungsportale
wie ciao.de und Diskussionsforen besondere Beachtung.
Ciao.de setzt auf die Selbstreinigungskraft des Netzes. Wenn ein Beitrag auffallend werblich wirke, reagiere die Community sehr schnell, heißt es dort. Der Stuttgarter
Rechtsanwalt Carsten Ulbricht hält eine verdeckte Eigenbewertung grundsätzlich sogar für rechtswidrig, weil sie „ihren werblich-kommerziellen Charakter gegenüber dem umworbenen Verbraucher verschweigt". Für Hoffer von Ankershoffen
ist das Eigenlob als Bumerang zurückgekommen. Er entschuldigte sich für sein von ihm als Fehler bezeichnetes Verhalten und erklärte, seine Aufgaben als Geschäftsführer beim Wetab-Vertrieb bis auf weiteres ruhen zu lassen. |