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Gefälschte Bewertungen
infospeed bei RTL Nachtjournal
06.10.2010
"4 Sonnen, 5 Sterne, 6 kleine Badelatschen" so treffen immer mehr Konsumenten ihre Entscheidungen nach den Bewertungen in Internet-Portalen. Und das macht es so verlockend für Unternehmen auf diesen Portalen ein bisschen nachzuhelfen, indem man sich selbst lobt. Dabei wurde eins schon Die Bahn erwischt, die das sogar offenbar auch organisiert machte. Oder jetzt der Geschäftsführer der Firma, der das iPad-Konkurrenzprodukt WeTab herstellt. Das hat noch viele Macken, doch der Chef selbst lobt es, anonym überschwänglich. Nicht gut, sondern "sehr gut", postete er. Das ist peinlich, aber auch Anlass für die Frage: "Kann man den Internet-Bewertungen trauen?".
Jan Krömer
Jan Krömer von infospeed erklärt RTL, dass gefälschte Bewertungen von Unternehmen nicht die Regel sind
Mit der vermeintlich deutschen Antwort auf Apples iPad wollte Helmut Hoffer von Ankershoffen mal die Computerwelt revolutionieren. Und, kaum auf dem Markt erscheinen im Online-Shop von Amazon schon die ersten 5-Sterne-Rezensionen. Peter Glaser findet das WeTab ist nicht gut, sondern "sehr sehr gut". Und Claudia Kaden frohlockt, genauso hätte sie sich die Technik gewünscht. Was niemand ahnt: Die Lobhudeleien stammen vom Erfinder selbst. Ein Blogger aus München kommt ihm auf die Schliche. Peinlich. Aber wie sehr trauen sie Kundenbeurteilungen?

"Wenn ich jetzt selber eine Bewertung abgebe, dann gebe ich die so ab, wie es auch wirklich war und so gehe ich davon, dass viele das auch so machen.", sagt eine Passtin. Eine andere sagt: "Negativmeldungen glaubt man natürlich dann eher, weil da weiß man dann, dass das nicht von dem Hersteller oder von dem Anbieter reingesetzt ist."

Kaufempfehlungen, Hotelbewertungen. Auf zahllosen Meinungsportalen suchen Kunden Rat bei Kunden. Firmen wie infospeed sind darauf spezialisiert, Nutzermeinungen im Internet zu ermitteln. Laut den Experten sind Manipulationsversuche von Herstellern oder Anbietern eher selten – weil meist erfolglos.

Jan Krömer (infospeed) dazu: "Einzelne Kundenrezensionen sind sicherlich schnell eingestellt, auch unter falschem Namen. Fraglich ist aber, ob sich damit wirklich ein komplettes Meinungsbild beeinflussen lässt, da man dafür wirklich sehr viele Rezensionen auf sehr vielen Portalen fälschen müsste."

Ausschließen kann man Schummelrezensionen deswegen aber noch lange nicht. Stiftung Warentest zum Beispiel testete Hotelbewertungsportale. Ergebnis: Die meisten ließen sich von fingierten Bewertungen täuschen. Auch die Deutsche Bahn wurde schon mit erfundenen Kundenkommentaren erwischt, die von der eigenen Werbeabteilung ins Netz gestellt wurden.

Objektiv dagegen geht es hier zu: In den Testlaboren von Fachzeitschriften wie der Computerbild werden alle Produkte nach rein messbaren Kriterien beurteilt. Das WeTab schnitt hier übrigens mit 3 minus ab. Alexander Krug (Computerbild): "Da wird die Ausdauer geprüft, da wird die elektrische Sicherheit geprüft, da wird der Bildschirm durch verschiedene Messgeräte geprüft, da werden Usability-Tests von mehreren Testern gemacht, die einfach dafür sorgen, dass es einen objektivierten Test gibt."

Deshalb raten Verbraucherschützer, sich auf keinen Fall nur auf Rezensionen allein zu verlassen.
Friederike Wagner (Verbraucherzentrale): "Ich sollte sie als Anhaltspunkt nehmen, und dann, je nachdem, wenn ich gewisse Filter dann für mich schon gesetzt habe, wenn ich bestimmte Produkte schon rausgefiltert habe, mich dann nach Möglichkeit nochmal in anderen Medien, mit anderen Mitteln, informieren."

Für Helmut Hoffer von Ankershoffen wurde das Eigenlob im Netz inzwischen zum Bumerang. Er gestand seinen Betrug am Kunden und entschuldigte sich öffentlich. Seinen Job als Geschäftsführer lässt er jetzt allerdings erstmal ruhen.
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