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Intraneteffizienz

Keine Entscheidungen mehr ohne Nutzenbetrachtung

Kaum eine betriebswirtschaftliche Entscheidung wird derzeit ohne eine intensive Nutzendiskussion getroffen. Insbesondere IT Entscheidungen sind hiervon betroffen. Viele Softwarefirmen bieten auf ihren Webseiten Beispiele für ROI-Berechnungen an. Andere stellen kleine Kalkulationsprogramme zur Verfügung, die den Nutzen Ihrer Softwarelösung klar herausstellen. Es entsteht der Eindruck, dass keine Investitionen mehr getätigt werden, die nicht bereits im Vorfeld ihren Nutzen klar bewiesen haben und sich spätestens nach einem Jahr amortisiert haben.

Inzwischen werden die Stimmen immer lauter die behaupten, dass eine überspitzte Nutzensuche und ein zu kurzfristiges Denken das derzeitige wirtschaftliche Handeln prägt. Nachhaltigkeit, ein Begriff der immer stärker in Diskussion kommt, könnte möglicherweise die Trendwende zu wieder mehr strategischem Denken bedeuten.

Prof. Dr. Matthias Fank

Prof. Dr. Matthias Fank und Dipl. Ing. Walter Trojan bei der Durchführung des Webseminars
Der hier im weiteren Verlauf dargestellte Ansatz versucht beides zu verbinden. Einerseits sind Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen unablässig aber sie dürfen nicht nur bei der Entscheidungsfindung eine Rolle spielen. Einmal getätigte Investitionen in IT, benötigen nach der Einführung ein Steuerungsinstrument, das Auskunft darüber gibt, wie wirtschaftlich das System betrieben wird. In den folgenden Ausführungen ist das Bezugsobjekt ein „Intranet". Hierfür wurde ein Steuerungsansatz entwickelt, das dem Anwender ermöglicht, den laufenden Betrieb zu überwachen, womit auch dem Gedanken der Nachhaltigkeit versucht wird Rechnung zu tragen.


Intranets sind die zentralen Informationsstellen im Unternehmen

Intranets, firmeninterne Netze auf der Basis von Internettechnologie, finden immer mehr Verbreitung. Sie tendieren immer stärker dazu, die zentrale Informationsstelle im Unternehmen zu werden, indem personalisierte Informationen bereit gestellt werden, das Durchsuchen unterschiedlichster Datenquellen möglich ist und virtuelle Kommunikation und Collaboration mit Kollegen aufge- nommenwerden kann. Unbestritten sind die beeindruckenden Schilderungen von Einsparungspotenzialen aufgrund drastisch reduzierter Druck- und Portokosten und deutlich erhöhter Prozess- geschwindigkeit. All diese Nutzenargumente greifen leider nicht mehr nach der Einführung bzw. im laufenden Betrieb eines Intarnets, denn die durch die Digitalisierung erreichten Einsparungen wie z. B. Druckkosten liefern keinen Hinweis darauf, inwieweit das Intranet effizient betrieben wird. Hierzu müssen geeignete Messkriterien entwickelt werden, die den Nutzennachweis für ein gut funktionierendes Intranet liefern.

Prof. Dr. Matthias Fank vom Institut für e-Management e. V. (IfeM) und Gesellschafter von infospeed entwickelte in einem Forschungsprojekt ein Steuerungsinstrument für typische Intranetanwendungen. Inzwischen wurden mehr als 100 Messkriterien identifiziert. Verdichtet werden die Messkriterien in einem speziell hierfür entwickelten Intranet-Cockpit, das eine effiziente Steuerung von Intranets ermöglicht. Bei allen identifizierten Messkriterien wurde darauf geachtet, dass eine digitale möglichst medienbruchfreie Erfassung und Auswertung realisierbar ist.

Vernetztes Denken die theoretische Basis

Wer sich mit der Einführung und dem Betrieb von Intranets und deren Anwendungen beschäftigt, wird sicherlich von der ein oder anderen im folgenden aufgeführten Fragestellung geplagt:

Wie kann das Intranet unsere Geschäftsprozesse unterstützen?

- Welchen MEHRWERT generiert ein Intranet?
- Was ist ein gutes Intranet?
- Unter welchen Bedingungen und Voraussetzungen wird das Intranet von
Mitarbeitern angenommen?
- Was kostet ein Intranet?

Fragen dieser Art werden für gewöhnlich isoliert angegangen. D.h. man greift einzelne Beziehungen heraus, indem man einfache Wenn-Dann-Beziehungen aufbaut, für die man eine Erklärung bzw. Lösung sucht. Ein derart reduziertes Weltbild legt Annahmen zugrunde, die in der Realität häufig bei Erklärungsversuchen warum bestimmte Dinge nicht eingetreten sind, mit dem Wörtchen „WENN" umschrieben werden. Mittlerweile weiß man, dass gerade in den zugrundegelegten Annahmen und Prämissen die größten Probleme stecken.

Die Einführung und der Betrieb der meisten Informations- und Kommunikationssysteme beinhaltet Problemstellungen hoch komplexer Natur, deren bislang zu wenig Rechnung getragen wurde. Komplexität in dem Sinne, dass eine Vielzahl von Variablen miteinander in einem sich „leider" laufend verändernden Verbindungsgeflecht stehen. Erschwerend kommt hinzu, das die Beziehungen zwischen den Variablen meistens nicht als mathematische Funktion darstellbar sind. Die sich in der Managementlehre wandelnden Themen, weisen alle eine ähnliche Entwicklung auf. Gestartet wird die Euphorie eines Managementansatzes indem bestimmte Ressourcen wie Wissen oder Strukturen z.B. durch den Lean-Managementansatz in den Mittelpunkt der Betrachtung gestellt werden, die bei einer konsequenten Ausrichtung Wettbewerbsvorteile erbringen sollen. Kurze Zeit darauf folgt die Einschränkung dass der Ansatz nur dann erfolgreich sein kann, wenn er ganzheitlich, umfassend und/oder integriert betrachtet wird. Mit diesen Begriffen wird zum Ausdruck gebracht, dass man z.B. beim Wissensmanagement davon überzeugt ist, dass das Management von Wissen zunehmend wichtiger wird, man aber weit davon entfernt ist Aussagen darüber treffen zu können, wie viel Prozent des Unternehmenserfolges auf gutes Wissensmanagement zurückzuführen sind. Bislang existiert nur ein Modell, deren Überprüfung in der Realität noch ansteht. Eine möglichst hohe Übereinstimmung zwischen Modell und Realität wird nur dann gelingen, wenn erreicht werden kann, dass immer mehr bzw. bessere Variablen und deren Beziehungen untereinander in das Modell einfließen. Dieser theoretische Ansatz des vernetzen Denkens wurde auf Intranets angewendet.

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