Ob man eine Digitalkamera kaufen, eine Hotelübernachtung buchen oder eine Versicherung abschließen will – so ziemlich jedes Produkt
wird im Internet von anderen Benutzern bewertet. Ob die Kamera was taugt, das Hotel sauber und die Versicherung günstig ist, erfährt man so vor dem Kauf. Doch was wiederum taugen diese Bewertungen? Darüber berichtet Andreas Herrler.
Die Idee ist einfach und praktisch: Bevor ein Kunde im Internet etwas kauft, erfährt er von anderen Kunden, welche Erfahrungen diese bereits mit
einem Produkt oder einer Dienstleistung gemacht haben. Wenn viele Kunden zum Beispiel eine Kamera loben, wird man sie vielleicht eher kaufen als wenn viele Nutzer unzufrieden sind. So können, wie Evrim Sen vom Institut für
e-Management in Köln festgestellt hat, viele Unternehmen mittlerweile das Image ihrer Produkte kaum noch steuern.
"Online-Shopper gehen auf einen Shop, geben dort das Produkt ein. Wenn dort von fünf Sternen nur zwei
Sterne zu sehen sind, dann werden die Nutzer dieses Produkt nicht kaufen. Und wenn das mit vielen Produkten eines Unternehmens so geschieht, dann passiert es natürlich, dass so ein Unternehmen insolvent geht." Evrim Sen,
infospeed in Köln
Genau hinsehen, wer bewertet Hilfreich kann sein, genau zu schauen, wer hier bewertet. Meist hat der Bewerter ein Nutzerprofil, über das man seine anderen Bewertungen anschauen kann. Lobt er
zum Beispiel immer nur technische Geräte eines bestimmen Herstellers, wird er womöglich selbst dort arbeiten. Falsche Bewertungen spielen auch bei Reisebuchungsseiten eine Rolle. So hat die Stiftung Warentest selbst falsche
Bewertungen abgegeben. Warentest-Redakteur Falk Murko war vom Resultat seiner Bewertungen nicht überzeugt, denn alle Portale hatten Probleme, Falschbewertungen auszusortieren. Und so hatte im Test selbst das beste Portal nicht
alles gefunden, was an Falschbewertungen geschickt wurde.
Wie viele Personen haben den Urlaub bewertet? Viele Buchungsportale für Urlaubsreisen bauen in ihre Bewertungsforen Hürden ein. So kann normalerweise nur
derjenige, der eine Reise auch tatsächlich gebucht hat, diese auch bewerten. "Allerdings haben wir festgestellt", sagt Falk Murko von der Stiftung Warentest, "dass wir die Hotels auch oft bewerten konnten, wenn wir
gar nicht da waren. Wir haben einfach eine Buchung gemacht und später die Bewertung abgegeben und waren eigentlich gar nicht da."
Ein Tipp bei Reisewertungen: Schauen Sie sich die Anzahl der Bewertungen an. 90 Prozent
Zufriedenheit bei 2.500 Bewertungen sagen mehr über ein Hotel aus als 90 Prozent bei zehn Bewertungen. Achten Sie außerdem auf das Datum der Bewertung. Schimpfen die Kunden zum Beispiel über eine Baustelle vor einem Hotel, kann
diese Baustelle mittlerweile längst abgebaut sein. Auch die Formulierung der Kritik sagt viel über deren Glaubwürdigkeit aus. Wenn mehrere Nutzer eine detaillierte Produktkritik abgeben, wie zum Beispiel "Der Knopf zum
Einschalten klemmt leicht", wird das wohl stimmen. Ganz allgemeinen Beschreibungen wie "Super-Produkt, bin begeistert" sollten Sie aber nicht vertrauen. Und für das nächste Urlaubshotel empfiehlt Falk Murko von der
Stiftung Warentest. |