Alle reden von Social Media. Handelt es sich nur um einen kurzfristigen Trend oder werden Facebook & Co. das Internet langfristig
prägen?
Die Experten-Antwort von Prof. Dr. Matthias Fank (Gesellschafter infospeed)
"Social Media ist nicht nur ein neuer Kanal. Er ist
Ausdruck eines veränderten Informations- und Kommunikationsverhaltens. Wer heute Informationen sucht bzw. benötigt, sucht mit Hilfe von freien Suchmaschinen. Diesen ersten Anlaufpunkt gab es vor einigen Jahren noch nicht. Ebenso
hat sich der Umgang mit Informationen und deren Interpretation verändert. Innerhalb weniger Sekunden kann man eine Frage in einem Forum loswerden, sein Urlaubshotel bewerten oder Freunden auf Facebook mitteilen, in welchem guten
Restaurant man gestern gespeist hat. Mit rund 14 Mio. registrierten Usern auf Facebook in Deutschland wird das Soziale Netzwerk für die werbetreibende Industrie sehr attraktiv, wobei der Aspekt der Interaktion häufig vernachlässigt
wird und die Zahl an Pleiten und Pannen auf Facebook drastisch zugenommen hat. Diese Plattformen sind nicht so groß geworden, weil die User mit Werbung bombardiert werden wollen. Wer diesen Kommunikationskanal erfolgreich bedienen
will, benötigt eine gute Portion Akzeptanz, Toleranz und Einfühlungsvermögen.
Die einschlägige Literatur ist sich einig, dass ein Engagement im Social Web immer den drei Stufen Zuhören, Verstehen und Handeln folgen sollte.
Diese drei doch sehr banal klingenden Begriffe stellen Unternehmen durchaus vor große Herausforderungen. Social Media ist dabei weitaus mehr als Facebook, Twitter und YouTube, wobei bereits diese drei Portale über viele User und
damit über viele Informationen verfügen. Zu Social Media zählen auch die Millionen von Blogs, Foren und Bewertungsportalen. Schätzungen gehen davon aus, dass es sich hierbei um drei Milliarden Websites handelt. Diese Datenmenge –
mit steigender Tendenz – in aussagekräftige Informationen zu transformieren, stellt Unternehmen vor große Herausforderungen.
Zur Verdeutlichung ein Beispiel aus der Telekommunikationsbranche: Ein auf Social Media
spezialisierter Monitoring-Anbieter indexiert für ein Telekommunikationsunternehmen monatlich rund 550.000 Beiträge. Das entspricht einem täglichen Datenvolumen von rund 20.000 Beiträgen. Dabei stammen die Beiträge aus den
unterschiedlichsten Social Media Kanälen und sind auf ca. 350.000 unterschiedliche User zurück zu führen. Vor dem Hintergrund dieser Beispieldaten gewinnen die Begriffe zuhören, verstehen und handeln eine ganz andere Qualität. Dass
dies dennoch machbar ist, zeigen bereits erste Erfahrungsberichte von Unternehmen. Diese Fülle an Daten zu erfassen und auswertbar zu machen, gelingt derzeit nur sehr wenigen Softwareanbietern. Unternehmen sollten sehr sorgfältig
bei der Auswahl eines Anbieters vorgehen.
Die rasante Verbreitung der Social Media und die ständig steigende Zahl an Usern die sich über Plattformen wie Facebook oder Twitter austauschen, werden auch die Anforderungen an
Hochschulen verändern. Besonders deutlich wird dies schon heute insbesondere bei der jüngeren Generation, die ständig und überall Statusinformationen und Kommentierungen absetzen und kommentieren."
Matthias Fank ist
Professor für Informationsmanagement am Institut für Informationswissenschaft der Fachhochschule Köln. Er fungiert als wissenschaftlicher Verantwortlicher der 2011 erstmals durchgeführten Weiterbildung "Social Media Manager" –
veranstaltet vom Zentrum für akademische Qualifikationen und wissenschaftliche Weiterbildung |